11.06.2020

Bildungswerke stärken den demokratischen Diskurs

Nachbericht: Live-Gespräch mit Dr. Johannes Hahn

Trotz Krise gemeinsam in und für Europa. – Zu diesem Thema diskutierten über 100 Bildungsehrenamtliche des Rings Österreichischer Bildungswerke am 18. Mai online mit EU-Kommissar und Ring-Präsident Dr. Johannes Hahn. Einmal mehr wurde die Aufgabe der Bildungswerke betont, auf lokaler Ebene demokratische Prozesse mit ihrer Bildungsarbeit zu unterstützen.


Dr. Johannes Hahn beim Live-Gespräch

Die Auseinandersetzung der Corona-Krise wurde zwangsläufig zu einem Bildungsschwerpunkt im Ring Österreichischer Bildungswerke. Die aktuelle Situation hatte erhebliche Auswirkungen auf unser Zusammenleben und auf die Art, wie wir arbeiten und in den Gemeinden unsere Bildungsveranstaltungen umsetzen. Im Live-Gespräch mit EU-Kommissar und Ring-Präsident Dr. Johannes Hahn gingen wir gemeinsam der Frage nach, wie der Zusammenhalt der EU-Mitgliedsstaaten trotz Corona-Krise gefestigt werden kann und was wir aus der Krise lernen.

Schlussfolgerungen aus der Krise
Eingangs erläuterte Dr. Johannes Hahn, welche Themen die Europäische Union in den letzten Wochen der Corona-Pandemie beschäftigt hatten. Trotz des Vorhandenseins von Notfallplänen gab es zahlreiche Herausforderungen auf lokaler, regionaler und europäischer Ebene, die es zu bewältigen galt. Weltweit habe Europa die Krise bis dato gut gemeistert, wenn auch nicht in allen Ländern optimal. Als nötige Schlussfolgerung aus der Krise sieht Dr. Hahn die Notwendigkeit von einheitlichen und länderübergreifenden wissenschaftlichen Standards, wie man derartige Situationen besser beurteilen und konkreter einschätzen kann, wann ein wirtschaftliches Herunter- und wieder Hochfahren vorzunehmen ist. Solidarisches Handeln in und zwischen den EU-Staaten sei zurzeit besonders wichtig.

Diversifizierung und Autonomie
Die Krise müsse, so Dr. Hahn, auch als Chance gesehen werden, nun wichtige Maßnahmen zu ergreifen, um auch bei künftigen Herausforderungen dieser Art besser gewappnet zu sein. Es müsse beispielsweise mehr in Richtung einer weiteren Diversifizierung der Wirtschaft gehen. Die Krise sei ein „Weckruf“ gewesen, darüber nachzudenken, wie Europa unabhängiger von Zulieferungen anderer Länder werden kann. Hier seien in verschiedenen Sektoren Rückschlüsse zu ziehen, wie in Europa ein Mehr an Autonomie hergestellt werden kann. Es sei nicht nur zu überlegen, welche Produktionsbereiche nach Europa verlegt werden, sondern auch welche Bereiche der Forschung und Entwicklung in Europa angesiedelt werden könnten. Die politischen Prioritäten der Europäischen Union, wie beispielsweise im Bereich der Bildung, Digitalisierung, Klimapolitik und Wirtschaft, hätten sich durch die Corona-Krise nicht geändert, so Dr. Hahn. Die Krise habe vielmehr die Bestätigung dafür geliefert, dass ein Festhalten an den geplanten Maßnahmen gerade jetzt besondere Dringlichkeit hat.

Bildungswerke stärken den demokratischen Diskurs
Dr. Hahn betonte in seiner Funktion als Präsident des Rings Österreichischer Bildungswerke auch die Relevanz unserer Bildungsarbeit in den Gemeinden. Die Bildungswerke seien wichtig, um sich in den demokratischen Diskurs einzubringen. Demokratie bedeute Mitreden, Mitbestimmen, Mitgestalten – dieses demokratische Selbstverständnis sei auch im Ring Österreichischer Bildungswerke weiterzuentwickeln und zu festigen. Aufgabe der Bildungswerke aus Dr. Hahns Sicht sei es auch Fähigkeiten zu vermitteln, sich immer neuen Herausforderungen zu stellen und Raum für Auseinandersetzung anzubieten, wie wir besser auf Krisen reagieren und uns verhalten können. Den Stellenwert der Erwachsenenbildung im derzeitigen Diskurs zu heben, sollte ein wichtiges Thema für die Bildungspolitik der Länder und Gemeinden sein, so Dr. Hahn. Die Bildungswerke seien „ein vitaler Bereich des Gemeindelebens“ und ein „Goldschatz, den es zu heben und zu pflegen gilt“. Insbesondere auf lokaler Ebene könne man konkret erleben, was die Bildungswerke mit ihrer Arbeit leisten.

Autorin: Mag.a Barbara Gruber-Rotheneder